Genitalverstümmelung: Auch in Deutschland ein Thema
Beschneidung ist ein harmloses Wort. Bei uns sind Beschneidungen nicht wirklich üblich, aber beispielsweise in den Vereinigten Staaten wurden sie jahrelang routinemäßig durchgeführt. Fast jeder männliche Säugling büßte seine Vorhaut ein, und das ohne große Dramen. Warum auch, es geht ja schließlich nur um ein Stückchen Haut …
Vielleicht wurde auch deshalb jahrelang nur wenig Aufsehen um die “weibliche Beschneidung” betrieben – so ein Fitzelchen Haut untenrum wegschneiden, wie schlimm kann das denn schon sein? Noch dazu irgendwo in Afrika, da ist das ja religiös begründet, gerade im Islam macht man das ja oft.
Eben nicht. Es ist nicht nur ein Fitzelchen Haut, es wird mindestens die Klitorisvorhaut, oft aber die ganze Klitoris entfernt – ein Körperteil, der mindestens so empfindsam ist wie bei Männern die Eichel. Diese Art der genitalen Verstümmelung wird laut WHO-Klassifizierung als Typ 1 bezeichnet. Bei Typ 2 werden zusätzlich zur Klitoris auch die kleinen Schamlippen abgetrennt, bei Typ 3 außerdem noch die inneren Seiten der großen Schamlippen, und die Seiten der Vulva werden zusammengenäht. Unter Typ 4 fallen Verstümmelungen, die nicht in die ersten drei Kategorien passen, etwa das “Einstechen, Durchbohren, Einschneiden oder Kauterisieren (Zerstören durch Hitzeeinwirkung oder Chemikalien) von Genitalgewebe”.
Und die beschnittenen Frauen leben nicht einfach irgendwo weit weg, sie leben auch hier bei uns. In Deutschland leben rund 20.000 betroffene Frauen, die seit ihrer Verstümmelung mit den seelischen und vor allem körperlichen Folgen leben müssen.
Die Mehrheit der verstümmelten Frauen lebt aber tatsächlich in muslimisch dominierten Gegenden in West- und Nordostafrika, aber auch im Jemen, in Indien und Indonesien werden Frauen so verstümmelt. Weltweit sind Millionen Mädchen und Frauen betroffen. Jeden Tag kommen nach UNICEF-Angaben 8.00 neu hinzu.
Das wird ihnen noch zusätzlich schwer gemacht, denn ihnen werden nicht nur Schmerzen zugefügt, das geschieht auch noch unter unhygienischsten Zuständen. Infektionen sind keine Seltenheit. Aber auch wenn alles “gut” verläuft, leiden die Frauen teils lebenslang unter Schmerzen, Problemen beim Wasserlassen und bei der Menstruation.
In Deutschland allerdings gibt es nur bedingt Hilfe. Wie die Vorstandsvorsitzende der Organisation “Terre des femmes“, Irmingard Schewe-Gerigk, kritisiert, übernehmen die Krankenkassen nicht die Behandlungskosten für die Folgen genitaler Verstümmelung – sie ist im Abrechnungsverzeichnis der Krankenkassen schlichtweg nicht enthalten. Schewe-Gerigk ruft anlässlich des Internationalen Tages “Null Toleranz gegen weiblichen Genitalverstümmelung” Bundesgesundheitsminister Rösler dazu auf, hier schnell für Abhilfe zu sorgen. So könnte diesen Frauen mit chirurgischen Eingriffen wenigstens einige ihrer Beschwerden genommen werden.
Zwar sind Politiker aller Parteien sich seit 12 Jahren einig, dass die Genitalverstümmelung ein Verbrechen ist, und man etwas dagegen tun muss – passiert ist in diesen Jahren allerdings nicht genug.
Auf den Islam lässt sich die Praxis der genitalen Verstümmelung von Frauen übrigens nicht schieben. Sie wird im Koran nicht gefordert und wird auch durchaus in anderen Religionen und Religionsgemeinschaften durchgeführt. Voraussetzung ist einfach eine Kultur, in der die Frau, ihre körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung nichts wert sind.
 
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