Israel: Organspender bevorzugt

Organspende ist wichtig. Ohne Spenderorgane wären weltweit tausende Menschen zum Tode verurteilt, denen aktuell dank medizinischem Fortschritt und großherzigen Organspendern geholfen werden kann. Darum bemühen sich viele Staaten darum, die Organspende bei ihren Bürgern bekannter und beliebter zu machen.

Israel geht dabei einen ganz neuen und ethisch nicht unumstrittenen Weg: Organspender sollen nun eine Vorzugsbehandlung erhalten, wenn sie selbst ein Spenderorgan benötigen.

Auch in Israel gibt es bei weitem nicht so viele Spenderorgane wie benötigt werden. Einer der führenden Befürworter der Neuerung, Professor Jacob Lavee, bezeichnet die Lage für Organspende in Israel als “düster”: Nur 10 Prozent der Erwachsenen haben einen Organspenderausweis (in Deutschland sind es 17 Prozent).

Als Anreiz für potenzielle Organspender wurde nun eigens ein Gesetz geändert. Jetzt sollen Organspender, ihre Partner und enge Angehörige auf der Warteliste nach vorne geholt werden, wenn sie selbst ein Spenderorgan benötigen.

Die Gesetzesänderung war deswegen nötig, da jetzt nicht mehr nur medizinische Kriterien für die Zuteilung eines Spenderorgans angelegt werden. Trotzdem sollen dringende Fälle immer noch den Vorzug erhalten.

Falls es aber zwei gleich geeignete Anwärter für ein Organ gibt, hat derjenige der beiden, der einen Organspendeausweis hat, sozusagen die Nase vorne. Kompliziert wird es wohl, wenn zwei Patienten gleich geeignet sind, das Transplantat gleich dringend brauchen und auch beide Organspender sind.

Lavee gab zu, dass die Reform die “reine Selbstlosigkeit” als Grund für die Organspende verdrängt und auch das Ideal verletzt, medizinische Versorgung rein nach dem Bedürfnis zuzuteilen. Seiner Meinung nach ist das jedoch zu rechtfertigen, wenn dadurch mehr Organe für Transplantationen bereitgestellt werden können.

Ein Bericht der BBC über diese ungewöhnliche Reform in Israel zitiert Kritiker, die von dieser Entwicklung beunruhigt sind. Dr. Vivienne Nathanson, die Ethik-Beauftragte der British Medical Association, warnt vor einem System, dass Patienten nicht nach ihrem Bedarf, sondern nach anderen Kriterien medizinische Behandlung zuteilt.

Wie viele andere Organisationen, die sich mit dem Thema Organspende befassen, befürwortet auch die British Medical Association ein “Opt-out-Verfahren”. Anders als bisher üblich würden sich dann nicht die zur Organspende gewillten Personen einen Ausweis zulegen bzw. sich registrieren lassen, sondern nur die, die eben nicht dazu bereit sind.

Organspendeausweise sind zwar leicht erhältlich, etwa zum Herunterladen im Internet oder bei Ärzten und Apotheken, trotzdem ist vielen Leuten die Mühe wohl noch zu groß. Die 17 Prozent der Erwachsenen, die bei uns einen Organspendeausweis haben, sind nur ein kleiner Teil der fast 70 Prozent der Bevölkerung, die der Organspende grundsätzlich positiv gegenüber stehen. Verbreitet ist auch immer noch die Angst, im Notfall schnell als hirntot “abgestempelt” zu werden, damit die Ärzte die Organe schneller entnehmen können.


 

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