Garantie für Medikamentenwirkung – geht das?
Medikamente sind eine tolle Sache. Sie vertreiben Schmerzen, senken Fieber, heilen Infektionen, bekämpfen Krebs … wenn sie wirken. Wenn sie keine Wirkung zeigen, haben die Krankenkassen unter Umständen viel Geld ausgegeben für ein Produkt ohne Effekt. Das soll sich jetzt ändern, fordert der bayerische Politiker Markus Söder.
Söder, der bayerische Gesundheitsminister, hat eine “Geld-zurück-Garantie” für Medikamente vorgeschlagen. Krankenkassen sollen sich so von den Herstellern das Geld für Medikamente zurückholen, die zwar verschrieben wurden, aber wirkungslos waren.
Söder sieht dies wohl als geeignetes Mittel, der Kostenexplosion im Gesundheitswesen Herr zu werden. Er warnte in diesem Zusammenhang auch vor “Hoppla-Hopp-Beschlüssen” zur Kostenreduzierung. Damit meint Söder höchstwahrscheinlich den Vorstoß von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler, der zur Senkung der Kosten im Gesundheitssystem bei den Preisen der Pharmaprodukte ansetzen will – etwa auch durch eine verkürzte Patentschutzdauer bei Medikamenten.
Nun will Söder aber die forschenden Pharma-Unternehmen nicht vor den Kopf stoßen, immerhin stellen sie in Bayern mehr als 10.000 Arbeitsplätze. Der Patentschutz für innovative Medikamente müsse also unbedingt erhalten bleiben, nur so bleibe die Forschung für die Unternehmen attraktiv, berichtet der Focus.
Der Vorschlag hat natürlich einen gewissen Charme – wirkungsloses Medikament? Geld zurück! Denn, so Söder, “gezahlt wird nicht für die Tablette, sondern für die Wirkung”. Das ist nun aber leider ein bisschen so, als würde man von einem Lehrbuchverlag sein Geld zurückverlangen, wenn man nach der Lektüre nicht das weiß, was man vorher erwartet hat, oder von einem Bäcker das Geld für das eben gekaufte Brötchen wieder haben will, weil man davon nicht satt wurde.
Dazu kommt allerdings auch, dass Medikamente für Menschen bestimmt sind – also für Individuen. Nicht jedes Arzneimittel wirkt bei jedem gleich gut, auch wenn es für die gleiche Krankheit bestimmt ist, das fängt bei der schlichten Erkältung an, geht über die Migräne und reicht bis zu Medikamenten gegen den Krebs. Einem Gesundheitsminister sollte das eigentlich auch klar sein.
Wie soll das also funktionieren? Geld zurück für jeden einzelnen Patienten, bei dem etwas nicht wirkt? Oder nur dann Geld zurück, wenn das Medikament nie wirkt, bei keinem einzigen damit behandelten Menschen? Und wer soll das überprüfen – eigens eingestellte Experten? Da wird das gesparte Geld schnell wieder ausgegeben sein …
 
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