Multiple Sklerose: Neurologen warnen vor falscher Therapie

Vom 21.-25. September findet in Mannheim die Neurowoche 2010 statt, der größte neuromedizinische Kongress in Europa. Unter dem Banner der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) treffen sich rund 6000 Spezialisten für Gehirn und Nerven, um sich über Diagnosen, Forschung und Therapie auszutauschen. Neurologen nutzen diesen Anlass aber auch, um auf eine gefährliche Therapie bei Multipler Sklerose aufmerksam zu machen, die derzeit gegen ein privates Honorar auch in Deutschland angeboten wird.

Das Gehirn fungiert als eine Art “Schaltzentrale”, von der aus Signale über Nervenzellen im Rückenmark zum Körper geleitet werden. Ist die Schutzschicht dieser Nervenbahnen, das so genannte Myelin, entzündet, können die Signale nicht mehr richtig übertragen werden. Die Folge: Störungen des Sehvermögens, spastische Lähmungen, Degeneration der Nervenzellfortsätze – kurz: Multiple Sklerose.

Beschwerden und Verlauf der Erkrankung sind allerdings so unterschiedlich, dass bis heute allgemeingültige Aussagen über MS nur bedingt möglich sind. Viele Multiple-Sklerose-Patienten klammern sich deswegen an jeden Strohhalm, den sie kriegen können. Diese Einstellung machen sich jedoch immer häufiger “schwarze Schafe” unter den Neurologen zu nutze.

Aktuell werden immer mehr gefährliche Gefäßeingriffe bei MS-Patienten auch in Deutschland gegen ein privates Entgelt angeboten. Neurologen warnen jedoch vor falschen Heilsversprechungen. Die Eingriffe, die auf der so genannten “venösen Stauungshypothese” des italienischen Arztes Paolo Zamboni beruhen, seien nicht nur sinnlos, sondern auch gefährlich. Es gäbe keinerlei wissenschaftliche Beweise dafür, dass ein Gefäßstau für die Entstehung der MS verantwortlich sei. Genauso wenig sei es erwiesen, dass durch eine Erweiterung der Gefäße die vermeintliche Ursache für MS behoben werden kann.

Da die Therapiemethode Zambonis in Deutschland trotz bekannter Todesfälle immer mehr Anhänger findet, wird es dazu im Rahmen der Neurowoche zwei Pressekonferenzen geben. Die DGN will dadurch verhindern, dass Multiple-Sklerose-Patienten sich für viel Geld auf ein sinnloses Risiko einlassen.


 

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