Sport vs. Bluthochdruck

Hoher Blutdruck ist eine heimtückische Sache: Symptome gibt es praktisch nicht, trotzdem kann die Hypertonie nach Jahren ohne Beschwerden zu Schlaganfall und Herzinfarkt führen. Mediziner gehen davon aus, dass etwa die Hälfte aller erwachsenen Deutschen zu hohen Blutdruck hat.

Um den Blutdruck zu senken und die buchstäblich unter Druck stehenden Blutgefäße zu entlasten, wird zuerst typischerweise zu zwei Maßnahmen geraten: das Gewicht zu reduzieren und weniger Salz zu sich zu nehmen. Außerdem gibt es natürlich Medikamente, die den Blutdruck senken sollen; sie werden aber meistens erst verschrieben, wenn die anderen Methoden erfolglos bleiben.

Eine weitere bei Ärzten beliebte Therapie gegen Bluthochdruck: Bewegung. Es steht fest, dass aktive Menschen seltener unter zu hohem Blutdruck leider als weniger bewegungsfreudige Mitmenschen. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass Bewegung auch unbedingt auf bestehenden Bluthochdruck positiv einwirken kann. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat deswegen Studien analysiert, die sich mit diesem Thema beschäftigt haben.

Um aussagekräftig zu sein, müssen diese Studien randomisiert sein, die Teilnehmer also nach dem Zufallsprinzip in die unterschiedlichen Gruppen eingeteilt werden. Im konkreten Fall fanden die IQWiG-Forscher acht Studien mit insgesamt 840 Teilnehmern. Dabei wurden zwei Gruppen verglichen: Die eine Gruppe wurde dazu angehalten, die körperliche Aktivität über einen längeren Zeitraum zu steigern (bei den untersuchten Studien waren das sechs bis zwölf Monate), die anderen nicht.

Der (systolische) Blutdruck der aktiven Teilnehmer sank in allen Studien, und zwar um durchschnittlich 5 bis 8 mmHg, also beispielsweise von 145/80 auf 138/80. Aus den Studien ergibt sich nicht, ob auch der diastolische Wert durch Bewegung gesenkt werden kann.

Allerdings geht aus den Studien nicht hervor, wie stark und wie oft man aktiv werden muss, um den Blutdruck zu senken; ob die Senkung auch dazu führte, dass weniger Medikamente nötig wurden und ob die Lebensqualität dadurch auf Dauer steigt. Auch ob durch die vermehrte Aktivität zu Verletzungen führte wurde nicht untersucht bzw. nicht dokumentiert.

Ein weiterer Kritikpunkt der Forscher: Die Studien waren alle sehr kurz angelegt, können also keine Aussagen über Langzeitfolgen wie Schlaganfälle, Nierenschäden oder Herzinfarkte machen. Dabei sind es gerade die langfristigen Auswirkungen der Hypertonie, die sie so gefährlich machen – kurzfristige Besserungen sind einfach nicht ausreichend, um diese Folgen zu vermeiden.


 

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